Zwölf Schafe tot in Schönau: Erneuter Wolfsriss im Wendener Land?
Schafhalter schockiert: „Das war abartig“
- Wenden, 26.04.2026
- Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Schönau. Schon wieder ein Wolfsriss im Wendener Land? Am Samstag, 25. April, hat Christoph Butzkamm (Landgasthof Scherer) sechs Tote und sechs verletzte Schafe gefunden. Anhand von Kehlbissen mutmaßt er, dass sie von einem Wolf gepackt wurden.

In zahlreichen Whatsapp-Status hatte sich die Nachricht am Wochenende verbreitet: „Schon wieder hat ein Wolf Schafe gerissen. Dieses Mal in Schönau“. Nachdem in jüngster Vergangenheit zwei Mal Schafe in Scheiderwald mutmaßlich von einem Wolf gerissen worden waren, waren jetzt Weidetiere aus dem Nachbarort betroffen.
Die Schafe befanden sich nahe der Hochspannungstrasse zwischen Schönau und der Krombacher Höhe. Sechs Tiere waren nach den Angriffen zwischen Freitag und Samstag, 24./25. April sofort tot, weitere sechs verletzte Tiere musste ein Tierarzt vor Ort erlösen.
„Ich bin zur Weide gekommen. Da lagen schon Schafe – und noch mehr Schafe.”
Schafhalter Christoph Butzkamm schildert die Ereignisse sichtlich erschüttert: „Ich bin zur Weide gekommen. Da lagen schon Schafe – und noch mehr Schafe. Als ich das erste richtig gesehen habe, waren die Tiere angefressen. Da wusste ich direkt, was passiert ist.“

Nach seinen Angaben wiesen mehrere Tiere typische Bissverletzungen am Hals auf. „Sechs Schafe lagen tot vor mir. Fünf weitere hatten einen Kehlbiss, eins war halb aufgerissen, der Hals blutete, die Seite war offen. Das war schon echt ekelhaft. Ich war einfach nur schockiert.“
Die noch lebenden, aber verletzten Tiere wurden zunächst in einen Unterstand gebracht, in der Hoffnung, sie retten zu können. Doch letztlich mussten alle sechs erlöst werden. „Am Ende standen die anderen völlig verängstigt in der Ecke“, berichtet Butzkamm.
Ein weiterer Bestand mit 26 Schafen und Lämmern blieb offenbar unversehrt. Dennoch zieht der Halter Konsequenzen: „Jetzt sind noch 50 Tiere da, vorher waren es 62. Alle kommen jetzt in den Stall und werden nach und nach verkauft. Das war das erste und auch das letzte Mal.“
Die Diskussion um Schutzmaßnahmen sieht Butzkamm kritisch. Zwar habe er sich intensiv mit Herdenschutz beschäftigt und entsprechende Lehrgänge besucht, doch überzeugt ist er nicht: „Wenn der Wolf wirklich will, kommt er rein – egal ob der Zaun zwei Meter hoch ist oder unter Strom steht.“




Zugleich äußert er deutliche Kritik an der aktuellen Wolfspolitik: „Soll jetzt jeder Rinderbauer und Pferdehalter alles hoch einzäunen? Wer soll das bezahlen? Wie viele Tiere müssen noch sterben?“
Besonders drastisch wird Butzkamm, wenn es um den Umgang mit Schadensfällen geht: „Man wünscht sich fast, dass die Entscheider mal selbst sehen, was hier passiert. Dann würde man schneller handeln.“
Ein Jäger hatte die Situation am Samstagmittag erkannt und Butzkamm informiert. Gemeinsam suchten sie das betroffene Gebiet ab.

Für den Schafhalter steht fest: Eine Rückkehr zur Weidehaltung wird es unter diesen Umständen nicht geben. „Im Stall kommt der Wolf nicht rein. Aber so, wie es jetzt ist, kann man nicht weiterarbeiten.“
Wolfsberater Antonius Klein bestätigte, dass er nach Schönau gerufen worden sei – im laufenden Jahr in diesen Raum bereits zum siebten Mal: „Nicht immer waren es Nutztiere.“
Er erklärte, dass Tierschutz in der Priorität über der Dokumentation liege. Neben ihm sei aber auch ein Tierarzt gerufen worden. „Zur Spurensicherung. Ich sammle und dokumentiere alles nach entsprechenden Standards. Das Urteil wird dann in Recklinghausen gefällt“, so Klein.

„Die Gesundheit der noch lebenden Tiere geht vor“, so Klein. Zum aktuellen Fall will der Wolfsberater noch am Sonntag, 26. April, eine E-Mail an die Arbeitsgruppe Wolf senden. Die Analyse könne bis zu zwei Monate dauern.
„Ich weiß nicht, ob es wegen der aktuellen Häufungen schneller gehen könnte“, so Klein. Und weiter: „Nach den Gesamtumständen kann so ein Wolf als Verursacher angenommen werden. Letzte Sicherheit gibt allerdings die Genanalyse.“ Er sagte, dass nach einer solchen Risshäufung mit weiteren Fällen zu rechnen sei.
