Geplantes Übergangswohnheim: Hochkochende Emotionen in Hützemert

Bürgerversammlung


  • Drolshagen, 06.09.2023
  • Politik
  • Von Miriam Walkenbach
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Zahlreiche Bürger folgten der Einladung in den Alten Bahnhof in Hützemert, wo die Stadt Drolshagen über die mögliche Errichtung eines Übergangswohnheims für geflüchtete Menschen informierte. von Miriam Walkenbach
Zahlreiche Bürger folgten der Einladung in den Alten Bahnhof in Hützemert, wo die Stadt Drolshagen über die mögliche Errichtung eines Übergangswohnheims für geflüchtete Menschen informierte. © Miriam Walkenbach

Hützemert. Schon in den einzelnen Ausschüssen der Stadt Drolshagen wurde das Thema Übergangswohnheim für geflüchtete Menschen in Hützemert vorbereitet. Am Dienstag, 5. September, hat die Stadt nun die Bürger informiert. Zudem bestand die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eventuelle Bedenken zu äußern. Die Gelegenheit nahmen viele Anwesende wahr.


Die Ortsvorsteherin von Hützemert, Anja Wigger, hatte um den Termin gebeten, bevor am Donnerstag, 7. September, in der Stadtverordnetenversammlung ein Beschluss gefasst werden soll. Bürgermeister Ulrich Berghof begrüßte die Anwesenden im prall gefüllten Saal des Alten Bahnhofs. Auf dem Podium saßen Andre Grütz, Rainer Lange, Gerhard Lütticke und Claudia Heite, alle Mitglieder der Verwaltung.

Außerdem waren Klaus Schmidt von der Polizei und die Vorsitzenden aller Fraktionen zugegen. Rainer Lange berichtete anhand einer Präsentation über die Gesamtsituation und die Rechtsgrundlage des Flüchtlingsaufnahmegesetzes, nach dem die Kommunen verpflichtet sind, eine stets variierende Anzahl von geflüchteten Menschen unterzubringen.

Die Kommunen haben keinen Einfluss auf die Zahl der Menschen, die aufgenommen werden müssen, sondern erhalten die Liste mit einem Vorlauf von ein bis zwei Wochen von der Bezirksregierung Arnsberg.

Zugespitzte Flüchtlingssituation

Mit einem Rückblick auf 2015/16 machte Lange deutlich, dass nun Zeit vorhanden sei, um die Kapazitäten auszubauen. Dennoch: Die vorhandenen Wohncontainer an der Wünne sind etwa 30 Jahre alt und nicht mehr lange nutzbar, teilweise schon außer Betrieb. Und die Unterkünfte Alte Schule und das Jugendhaus in Bleche sind ebenso verschlissen und die Lage nicht optimal.

Die Vertreter der Stadt Drolshagen erklärten, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren zugespitzt habe. von Miriam Walkenbach
Die Vertreter der Stadt Drolshagen erklärten, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren zugespitzt habe. © Miriam Walkenbach

Durch fehlende ÖPNV-Anbindung und Infrastruktur wie Einkauf, Schulen oder Gesundheitsversorgung ist eine Integration zudem sehr schwierig. Seit 2020 gibt es die Idee von Abriss und Neubau. Dazu fanden bereits fünf Arbeitskreissitzungen statt.

Die Flüchtlingssituation hat sich seitdem laut Stadt zugespitzt: Die interkommunale Einrichtung in Eichhagen soll voraussichtlich Anfang 2024 geschlossen werden, und auch die Wohncontainer Lohmühle für maximal 40 Personen sind zeitlich auf maximal fünf Jahre begrenzt. Die Zuweisungszahlen hätten sich erhöht und der Wohnungsmarkt solle nicht zusätzlich belastet werden.

Einstimmer Vorschlag

Der einstimmige Vorschlag des Arbeitskreises, bei dem alle Fraktionen mitgewirkt hätten, sei deshalb die Errichtung eines Übergangswohnheims in Hützemert, nahe „In der Hustert“ gewesen, wobei die genaue Lage noch nicht fixiert sei. Es gebe noch keine konkreten Pläne und es sei auch noch kein Bauantrag gestellt.

Die besonderen Anforderungen an einen geeigneten Standort haben laut der Stadtvertreter alle alternativen Standorte ausgeschlossen. Somit fiel die Wahl auf Hützemert. Die Umsetzung werde voraussichtlich bis zu zwei Jahre dauern und die Inbetriebnahme frühestens Ende 2024 bzw. Anfang 2025 erfolgen. Der Neubau sei nicht dazu gedacht und geeignet, die akute Situation zu entlasten, sondern langfristig die Stadt bei der Unterbringung von zugewiesenen Geflüchteten zu unterstützen.

Gerhard Lütticke führte weiter aus, dass aktuell 361 geflüchtete Menschen in der Stadt Drolshagen leben, davon 126 aus der Ukraine. Wöchentlich werden fünf weitere Personen der Stadt zugewiesen, die von den Landesaufnahmeeinrichtungen auf die Kommunen verteilt werden.

Bürger kritisieren Standort

Dann kamen die Bürger zu Wort, die teilweise ihrem Ärger über die Verfahrensweise und Entscheidung der Stadt lautstark Ausdruck verliehen.

Die Entscheidung sei an den Bürgern vorbei gefällt worden und die Menschen hätten Angst, vor allem um ihre Kinder. Kritisiert wurde vor allem auch der Standort des angedachten Übergangswohnheims, in unmittelbarer Nähe zu einer Grundschule. Flüchtlingen helfen ja, aber kein Wohnheim direkt neben der Schule, so der Tenor vieler Bürger, die sich zu Wort meldeten.

Bei einer Infoveranstaltung in Hützemert ging es heiß her: Die Stadt Drolshagen plant die Errichtung eines Übergangswohnheims für geflüchtete Menschen. von Miriam Walkenbach
Bei einer Infoveranstaltung in Hützemert ging es heiß her: Die Stadt Drolshagen plant die Errichtung eines Übergangswohnheims für geflüchtete Menschen. © Miriam Walkenbach

Dem widersprachen viele Anwesende vehement, die ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit Geflüchteten darstellten. Auch Klaus Schmidt von der Polizei warb für Akzeptanz und versuchte, die Sorgen und Nöte der aufgebrachten Bürger zu dementieren. Die ständige Aufklärungsarbeit und häufige Präsenz der Polizei habe dafür gesorgt, dass Drolshagen mit fünf Bagatelleinsätzen im vergangenen Jahr am Ende im ganzen Kreis Olpe gestanden habe.

Doch die emotional sehr aufgeheizte Atmosphäre ließ sich auch durch viele positive Darstellung nicht beruhigen. Im Gegenteil: Auf gegnerischer Seite wurde sogar schon eine Petition gegen den Bau des Wohnheims gestartet. Einige Zuhörer verließen aufgebracht die Veranstaltung.

Integration? Verweis auf den Kreis Olpe

Auf die Frage nach Integration, Kindergartenplätzen und Wohnungen verwies Bürgermeister Berghof auf den Kreis Olpe, der unter anderem für die Schaffung von Kindergartenplätzen zuständig ist.

Am Donnerstag. 7. September, wird in der Stadtverordnetenversammlung neu diskutiert und über die Errichtung des Wohnheims abgestimmt. Die Entscheidungen werden dann öffentlich bekannt gegeben.

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