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Wenden, 10.06.2021

Bisher schon 40 Kitze gerettet

Bevor der Mähtod droht: Einsatz im Morgengrauen für Wendsche Kitzretter

Einsatz der Wendschen Kitzretter, um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren.
Einsatz der Wendschen Kitzretter, um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren.
privat
Wenden. Als sich die achtköpfige Gruppe der „Wendschen Kitzretter“ am Donnerstagmorgen, 10. Juni, in der Severinusstraße am Ortsausgang von Wenden trifft, ist die Sonne noch nicht aufgegangen. Doch die frühe Uhrzeit bremst die Helfer nicht in ihrem Tatendrang. Unter dem Dach des Vereins „Mountainbike Wendener Land“ hat sich die Abteilung „Wendsche Kitzrettung“ gebildet, deren Helfer momentan alle Hände voll zu tun haben.

Bei den Landwirten stehen Mäharbeiten an, für die witterungsbedingt nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung steht und zur gleichen Zeit werden im Mai und Juni die Rehkitze geboren, die vorwiegend im hohen Gras versteckt werden, erklärt Michael Sommer, der Förster und Urheber der Aktion ist.

Ausgerüstet mit einer Drohne, Wärmebildkamera und Funksprechgeräten, ziehen acht Kitzretter erwartungsvoll zu den Wiesen, über denen noch der Morgennebel wabert. Insgesamt rund 40 Akteure gehören zu den ehrenamtlichen Kitzrettern, die sich die mehrwöchigen Einsätze teilen.

Für Rehkitze im Einsatz (von links): Lena Joana Kohlmann, Marie Jung, Sebastian Alfes, Sonja Jung, Michael Sommer, Louis Jung, Sascha Brüser und Catharina Brüser.

Natürlich ist für sie alle um vier Uhr morgens eine ungewohnte Arbeitszeit, doch bevor sich das erste Sonnenlicht am Horizont zeigt, ist die Kitz-Suche am effektivsten. Die Wärmebildkamera der Drohne zeigt dann die höchste Trefferquote, denn je höher die Sonne steigt, umso mehr Wärmequellen stören die Suche.


Hohe Gummi- oder Reitstiefel gehören für die Helfer zur Ausrüstung, denn das hohe Gras, in dem die Ricken ihre Kitze verstecken, ist noch nass vom Morgentau. Gerade dichte Wiesen, die die Rehkitze vor natürlichen Gefahren schützen sollen, werden ihnen beim Mähen zum Verhängnis, wissen die Helfer. Schätzungen liegen bei getöteten 90.000 Tieren pro Jahr.

Michael Sommer hat tags zuvor von Landwirten die Liste der Flächen bekommen, die an diesem Tag gemäht werden sollen. Er hat die Drohne mit den Koordinaten programmiert und lässt sie aufsteigen, während einige Helfer gebannt auf das Wärmebild blicken. Es dauert nicht lange, da kommt das erste Kommando, auf das alle gewartet haben: „Treffer, da liegt eines!“.

Sommer bringt die Drohne über der Fundstelle in Position. Umsichtig setzt sich die Gruppe am Wiesenrand in Bewegung, um zu ihrem Schützling zu gelangen. Mit Gummihandschuhen und Grasbüscheln verhindern sie, dass die Winzlinge menschlichen Geruch annehmen. Die Kleinen bleiben instinktiv reglos, wie sie es auch bei der herannahenden Mähmaschine tun würden.

Mit wenigen gekonnten Handgriffen werden sie aufgehoben und in einen Wäschekorb gesetzt. Aber die dann folgenden Schreie, mit denen sie nach ihrer Mutter rufen, gehen durch Mark und Bein, beschreibt es Catharina Brüser. „Bei meiner Frau habt das eine Art Mutterinstinkt ausgelöst“, fügt Ehemann Sascha lachend hinzu.


Vorsichtig werden die Rehkitze in Wäschekörbe gesetzt und gesichert am Wiesenrand abgestellt, bis die Mäharbeiten beendet sind. Und tatsächlich dauert es meist nicht lange, bis die Mutter in Sichtweite kommt. Die scheuen Ricken muss man aber nicht fürchten, weiß Lena Joana Kohlmann, die schon mehrfach bei Rettungseinsätzen mitgemacht hat.

Einmal, so erzählt Sonja Jung, die mit Tochter Marie und Sohn Louis an diesem Morgen dabei ist, sei eine Ricke mutig genug gewesen und habe selbst ihr Kitz befreit, sobald die Helfer sich entfernt hatten.

Bis gegen halb sechs Uhr wiederholt sich diese Aktion noch dreimal. Zwischendurch packt Jagdpächter Sebastian Alfes den mitgebrachten Kaffee für alle aus und Michael Sommer steuert einen Snack bei. Danach steigt die Gruppe in Autos, um die Aktion einige Kilometer weiter in der Nähe von Schönau fortzusetzen.

Spenden willkommen

Und unterwegs erzählt Michael Sommer von den anderen Einsätzen dieser Saison, bei denen bisher schon fast 40 Rehkitze gerettet wurden. Er redet auch über die Kosten für Drohne, Equipment und Unterhalt. Immerhin sind es über 10.000 Euro, die aufgebracht werden mussten. Das meiste sei durch Spenden beglichen, aber es fehlten noch immer etwa 2.000 Euro, für die er in Vorleistung gegangen sei. Dafür suchen die Rehkitz-Retter noch Fördermittel oder weitere Spender.


Auch auf den Wiesen bei Schönau können wieder zwei niedliche, nur wenige Tage alte Kitze gerettet werden, die sonst vermutlich Opfer der Mäharbeiten geworden wären. Danach verabschieden sich die sympathischen Helfer und gehen zu ihrer Arbeit oder zur Schule. Sie alle starten mit einem guten Gefühl in den noch jungen Tag, denn die Bilanz kann sich sehen lassen: Gerettet wurden an diesem frühen Morgen sechs süße Rehkitze auf fünf Wiesen.

Spendenkonten:

Die Wendsche Rehkitzrettung freut sich über Spenden auf eines der folgenden Konten:

Sparkasse Wenden: IBAN DE48 4625 0049 0002 0167 23

Volksbank Wenden: IBAN DE92 4626 1822 0016 8250 00

Ein Artikel von Sigrid Mynar

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